Erfolgreich Java programmieren – Auszug

1.3.1 Die Hardware und das Betriebssystem

Ihr Computer braucht im Grunde nicht sonderlich leistungsfähig zu sein. Die Ausführung eines Java-Programms kann keinen halbwegs modernen Rechner aus der Reserve locken. Nicht einmal einen Noname-Billig-Computer vom Discounter. Aber grundsätzlich gilt, dass insbesondere am Hauptspeicher (RAM – Random Access Memory) nicht gespart werden sollte. Gerade die Java-Entwicklungsumgebungen benötigen doch einigen RAM, damit sie flüssig laufen. Und wenn diese mit verschiedenen Ansichten und Fenstern arbeiten wird für eine komfortable Arbeit ein großer Monitor (am besten sogar zwei) viel bringen. Dennoch – für den Anfang können Sie sogar durch die Bank mit einem reinen Editor und Befehlszeilentools arbeiten und dann genügt auch ein kleines Notebook. Aber ich muss zugeben – richtig Spaß macht die Entwicklung dann, wenn der Rechner richtig flutscht. Für die meisten Leser wird ein PC mit Intel-kompatibler Architektur und modernem Windows bzw. Linux als Betriebssystem die bevorzugte Wahl sein und darauf werden wir uns bei Ausführungen beschränken. Apple-Anwender soll nicht vergessen werden, aber – obwohl Java-Programme darauf problemlos laufen – diese Plattform wird als Entwicklungsbasis von Oracle nicht explizit unterstützt12. Da das Mac-OS jedoch mittlerweile auf Linux basiert, kann man gegebenenfalls mit der Linux-Version arbeiten. Und die Anwender von Solaris (das hauseigene Unix-Derivat von Sun/Oracle) dürften hier in der Minderheit sein.

 

1.3.2 Die Software

Die reine Erstellung von Java-Programmen erfordert wie gesagt im Grunde außer einem beliebigen Editor keine weitere Software. Aber Sie müssen ja diese Eingaben im Editor verarbeiten, damit daraus lauffähige Java-Programme werden. Und dazu sind gewissen Programme notwendig bzw. nützlich. Schauen wir das etwas genauer an.

1 Das JDK/SDK

Als erstes sei das schon mehrfach erwähnte JDK (Java Development Kit) genannt. Die gesamte Java-Entwicklung dreht sich also um jenes ominöse JDK. Sie finden beispielsweise das JDK auf den Java-Seiten (Java SE Download) von Oracle unter http://www.oracle.com/technetwork/java/javase/downloads/index.html.

Statt JDK wird auch gelegentlich vom SDK (Software Development Kit) gesprochen. Hier hat Sun der Vergangenheit leider nicht ganz glücklich agiert, denn diese unterschiedlichen Bezeichner sorgen für unnötige Verwirrung. Im Grunde konnte man mit dem Auftauchen der Java-2-Plattform beobachten, dass an verschiedenen Stellen der Java-Seiten von Sun der Begriff SDK auftauchte, wo bei sinngemäßen Stellen der Vorgängerversionen der Begriff JDK verwendet wurde. SDK sollte wohl eine allgemeinere, erweiterte Form des JDK bezeichnen, aber im Grunde wurde SDK (oder genauer Java 2 Software Development KitJ2SDK) als Synonym für das JDK verwendet. In späteren Versionen von Java ist man aber weitgehend wieder zum Begriff JDK zurückgegangen und auch in den meisten Quellen zu Java, die nicht von Sun kommen, wird vom JDK gesprochen. Die Dose der Pandora war jedoch geöffnet und so findet man in beide Bezeichner in den verschiedenen Quellen zu Java. Wir werden im Buch konsequent auf den Bezeichner JDK zurückgreifen. Allerdings sind auch die verschiedenen Versionsnummern recht verwirrend. Auch hier hat Sun kein glückliches Händchen für eine optimale Außenwirkung gezeigt. Im Anhang finden Sie eine genauere Erklärung der Zusammenhänge.

Grundsätzlich wird aber das JDK bzw. die Java-Plattform regelmäßig erneuert bzw. um neue Funktionalitäten erweitert. Diesem Buch liegt die wie erwähnt Version 7 zugrunde. Und zwar die sogenannte Standard Edition. Diese finden Sie unter dem Link Java Platform (JDK) 7. Auf der folgenden Seite müssen Sie die Lizenzbedingungen akzeptieren und die passende Version für Ihr Betriebssystem auswählen. Sie erhalten über einen Link eine Installationsdatei zum Speichern auf Ihren Rechner.

Sollte eine neue Version von Java bzw. den JDK erscheinen, werden Sie über diese Stellen sehr wahrscheinlich an diese Updates gelangen. Für Ende 2012 ist Java 8 ja bereits angekündigt und dessen Neuerungen sind bereits zum Zeitpunkt der Bucherstellung weitgehend bekannt. Soweit sie relevant sind, werden wir bereits kurz darauf eingehen.

Die Installation des JDK ist absolut einfach. Der Installationsassistent (Wizzard) führt Sie mit wenigen Schritten zum Erfolg. Nach der Installation möchte Sie Oracle zu einer Registrierung per Internet motivieren, aber das ist nicht zwingend, um mit Java und dem JDK zu arbeiten.

2 Ein Editor bzw. eine IDE

Im Umfang des JDK, das wir uns noch genau ansehen, ist kein Programm zur Erstellung von Quellcode dabei. Aber wie erwähnt genügt zur Erstellung von Java als Minimalausstattung ein reiner Klartexteditor, wie er bei jedem Betriebssystem mitgeliefert wird. Ich habe in der Tat meine Programmierung in Java mit so einem primitiven Klartexteditor begonnen. Aber heutzutage ist das in der Praxis nicht mehr sinnvoll.

Wir werden aus didaktischen Gründen im Buch ein paar Beispiele mit einem Klartexteditor13 durchspielen und wie Sie dann vom Quellcode zum lauffähigen Programm kommen. Aber dann sollten Sie irgendwann auf eine IDE umsteigen. Die Verwendung eine IDE bei der Erstellung von Quelltext hat diverse nun Vor- und Nachteile, wobei die Vorteile stark überwiegen. Solche Programme kennen Bestandteile und Strukturen einer Programmiersprache wie Java und unterstützen einfache und teilweise auch komplexere Standardvorgänge. Etwa das Einfügen von Quellcodeschablonen, das Bereitstellen von Objekteigenschaften und -methoden oder Hilfestellung für die Übersichtlichkeit durch farbliche Kennzeichnung von bekannten Befehlen und Strukturen. Ein weiteres Feature, das einige Programme bieten, ist die Bereitstellung von verschiedenen Ansichten der Strukturen eines Dokuments.

Wir werden in diesem Buch zwei IDEs als Basis heranziehen und – soweit es notwendig ist – den Umgang damit erläutern:

  • Eclipse (http://www.eclipse.org) – eine IDE unter der OpenSource-Lizenz, die ursprünglich von IBM entwickelt, später freigegeben und nun von der Eclipse-Foundation bereitgestellt wird14. Obwohl Eclipse selbst in Java geschrieben15 und im Schwerpunkt auf die Entwicklung mit Java ausgerichtet ist, können in Eclipse mithilfe unzähliger PlugIns nahezu alle Programmiertechniken abgedeckt werden. Man nennt Eclipse deshalb oft sogar ein Framework. Die Installation von Eclipse ist vollkommen unproblematisch, wenn auf einem Rechner bereits ein neueres JDK installiert ist (was bei uns für die Arbeit mit Java ja sowieso der Fall ist). Eclipse wird als komprimierte Datei ausgeliefert, die Sie einfach extrahieren müssen. Beim ersten Start sucht sich die IDE die passende Java-Umgebung und richtet das System weitgehend automatisch ein.

Im Prinzip könnten Sie auch zuerst Eclipse extrahieren und starten, bevor Sie ein passendes JDK installiert haben. Eclipse wird entweder gar nicht starten – wenn nicht einmal eine JRE vorhanden ist – oder nicht in der Lage sein Java-Applikationen zu erstellen (wenn kein passendes JDK gefunden wird). Eine nachträgliche Installation vom JDK sollte das Problem beseitigen, aber das erfordert dann einige Nacharbeiten in Eclipse, die die richtige Reihenfolge der Installationen vermeidet.

  • NetBeans (http://netbeans.org/downloads/index.html) ist die kostenlose Java-IDE von Sun respektive Oracle selbst16. Wie Eclipse ist auch NetBeans selbst in Java geschrieben und verfügt über übliche Features wie Syntax Highlighting und Codevervollständigung. Und wie Eclipse kann man mit NetBeans nicht nur Java-Programme schreiben (obwohl es auch bei NetBeans ganz klar der Schwerpunkt ist), sondern es werden mittlerweile auch diverse andere Sprachen wie C, C++, Ruby und Fortran unterstützt. Und noch eine Gemeinsamkeit zu Eclipse ist der vollständig modulare Aufbau, der durch PlugIns erweitert werden kann. Und da NetBeans die eigene IDE des Erfinders von Java zur Entwicklung von Java-Applikationen ist, ist die allgemeine Unterstützung von Java in diesem Tool natürlich hervorragend. Und man sollte auch bei aller Popularität von Eclipse nicht vergessen, dass viele Konzepte, die dort umgesetzt werden, ursprünglich in NetBeans ihren ersten Einsatz gefunden hatten. Die Installation von NetBeans ist wie bei Eclipse vollkommen unproblematisch. Nur führt hier – im Gegensatz zu Eclipse ein klassischer und etwas zeitintensiver Installationsassistent zum Erfolg. Und Sie sollten beachten, dass NetBeans von Oracle meist als Bundle mit dem JDK zusammengefasst wird. Sie benötigen also in der Regel kein separates JDK installiert sein (wobei das nicht schadet).

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